Porträt Klaus Pabst

Wir nehmen Abschied von unserem Gründungsmitglied und langjährigen Geschäftsführer Dr. Klaus Pabst. Als Historiker mit zeitgeschichtlich-regionalem Forschungsinteresse an der Universität Köln lernte er Mitte der 1960er Jahre Walter Först kennen, den damaligen Leiter der WDR-Hörfunk-Landesredaktion. Först gewann ihn als Autor für die Hörfunk-Reihe „Aus der Landesgeschichte“, 1965/66 beginnend mit einer mehrteiligen Serie zur Region Eupen-Malmedy. Diese beleuchtete die Konflikte, die im 20. Jahrhundert um die territoriale Zugehörigkeit der Region zwischen Deutschland und Belgien ausgetragen wurden. Ende der 1970er Jahre entwickelte Först die Idee, die Arbeit an der „Landeszeitgeschichte“ in einem Zirkel von Fachleuten aus Wissenschaft, Archivwesen, (Kultur)Verwaltung, Journalismus und Bildungseinrichtungen zu verstetigen. Aus der bewährten Zusammenarbeit mit Klaus Pabst entstand eine langjährige Freundschaft und die Gründung des Brauweiler Kreises. Klaus Pabst bereitete diese durch eine Bestandsaufnahme der aktuellen Forschungslage vor: Er führte bei Universitäten und Archiven eine Umfrage zu laufenden Projekten der regionalen Zeitgeschichte in Nordrhein-Westfalen durch. Von 1978/79 bis zum Jahr 1997 führte er die Geschäfte des Kreises, der 1984 in die Vereinsform überführt wurde. Zudem wirkte er von 1986 bis 2004 als Mitherausgeber von „Geschichte im Westen“. Klaus Pabst brachte über seine persönlichen Beziehungen zur ostbelgischen Region den Forschungsschwerpunkt BENELUX in den Zusammenschluss ein, den er zusammen mit dem Niederlandisten Horst Lademacher als Arbeitsgemeinschaft etablierte. Als Forschungsschwerpunkte in Beruf und Verein widmete er sich mit Vorliebe der Zeitgeschichte der Rheinlande, (Ost)Belgiens und der Niederlande.

Der am 14. August 1934 geborene Aachener wollte zunächst ein Ingenieurstudium aufnehmen und absolvierte dafür 1954 ein siebenmonatiges Industriepraktikum in den Hüttenwerken des Eschweiler Bergwerksvereins. Sein Studium an der RWTH Aachen und den Universitäten München und Köln (1953-1963) führte ihn schließlich zu den Fächern Geschichte und Deutsch, die er mit dem Ersten Staatsexamen und der Promotion abschloss. Seine Dissertation „Eupen-Malmedy in der belgischen Regierungs- und Parteienpolitik von 1914 bis 1940“ erschien 1964 als Sonderdruck der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. Seine akademische Prägung erhielt er von seinem Doktorvater Theodor Schieder in Köln. Eine Archivlaufbahn in Aachen im Blick, absolvierte er die Marburger Archivausbildung zum Assessor, die er 1965 abschloss. Ein attraktives Angebot Schieders lockte ihn jedoch in den Wissenschaftsbetrieb zurück. Von Oktober 1965 bis September 1998 war er Kustos und akademischer Oberrat bzw. akademischer Direktor am Historischen Seminar der Universität Köln.

Über die Pensionierung 1998 hinaus blieb er der regionalen Zeitgeschichte weiterhin verbunden und genoss den Austausch mit den KollegInnen in Universitäten und Geschichtsvereinen. Bis 2004 war er kooptiertes Vorstandsmitglied im Brauweiler Kreis für Landes- und Zeitgeschichte; von 1984 bis 2015 fungierte er als stellvertretender Vorsitzender des Aachener Geschichtsvereins. Verantwortung als Mitherausgeber von Fachzeitschriften trug er auch für die Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. Für die Zeitschrift „DOCUMENTS – Revue des Questions Allemandes“ war er Autor und Redaktionsmitglied. Lange Jahre schrieb er als Freier Mitarbeiter für den WDR, war Freier Mitarbeiter für das Bureau d’Information, Liaison et Documentation (B.I.L.D.) Köln, Korrespondierendes Mitglied der Satzungskommission der Universität Köln sowie mehrerer Senatskommissionen. Engagiert begleitete er als Mitglied die Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde und erhielt im Jahr 2000 in St. Vith das Dr.-Anton-Hecking-Schild des Geschichts- und Museumsvereins „Zwischen Venn und Schneifels“ (ZVS) als Auszeichnung für die Erforschung der Geschichte und Förderung des Brauchtums und der Kultur im Gebiet zwischen Maas, Rhein und Mosel, das grenzüberschreitend vergeben wird und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens mit der Gesamt-Eifel verbindet.

Aus seinem publizistischen Werk soll hier nur auf zwei besondere Arbeiten hingewiesen werden: 2010 erinnerte Klaus Pabst in einem Beitrag des Sammelbandes „Heimat Nordrhein-Westfalen. Identitäten und Regionalität im Wandel“ an drei prägende Protagonisten der Landeszeitgeschichte NRWs – Walter Först, Wolfram Köhler und Peter Hüttenberger –, deren Wirken er miterlebte und begleitete. Sein Interesse an rheinischer Geschichte und der Arbeit von Geschichtsvereinen mündete in eine für das hundertjährige Vereinsjubiläum 1981 erarbeitete Studie zur Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, die 2022 überarbeitet und aktualisiert als erster Band der neuen Reihe „Studien und Darstellungen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde“ erschien.

Bereitwillig stellte sich Klaus Pabst in den letzten Jahren als Interviewpartner und Zeitzeuge zur Verfügung, um über die Frühzeit des Brauweiler Kreises und den Vereinsgründer Walter Först zu berichten. Als passionierter Erzähler verstand er es, mit immer neuen Aspekten, Geschichten und Humor die Gesprächszeit im Fluge vergehen zu lassen.

Dr. Klaus Pabst verstarb am 24. März 2026. Der Verein verdankt ihm viel. Als wach beobachtender Zeitzeuge, als begeisternder Erzähler, als engagierter Historiker und stets fröhlich-optimistischer, zugewandter und charmanter Gesprächspartner und nicht zuletzt als warmherziger Mensch wird er uns fehlen.

Katrin Minner (Münster/Siegen)

Foto: GrenzEcho-Archiv